Jeder von uns kennt diesen einen Moment an der Supermarktkasse. Man hat den Einkaufswagen voll beladen, die Kassiererin zieht die Artikel in Rekordgeschwindigkeit über den Scanner, und hinter einem wächst die ungeduldige Schlange.
Um endlich das schwere Kupfergeld aus dem Portemonnaie oder der geplünderten Spardose loszuwerden, fängt man an, den Betrag mühsam mit unzähligen kleinen Münzen abzuzählen. Doch plötzlich stoppt das Kassenband.
Die Kassiererin schüttelt den Kopf und weigert sich strikt, das Geld anzunehmen. Was sich im ersten Moment wie eine absolute Frechheit und ein peinlicher Affront anfühlt (schließlich ist Euro-Geld doch ein gesetzliches Zahlungsmittel!), hat in Wahrheit einen harten juristischen Hintergrund.
Der Staat selbst schützt Discounter wie Aldi, Lidl oder Rewe mit einer strikten, aber kaum bekannten Regel vor Münz-Sammlern. Wer diesen Paragrafen nicht kennt, muss seinen Einkauf im schlimmsten Fall an der Kasse stehen lassen.
Der Mythos vom gesetzlichen Zahlungsmittel
Viele Kunden reagieren an der Kasse mit Wut und dem Argument: „Sie müssen das annehmen, das ist ein offizielles Zahlungsmittel in Deutschland!“
Das stimmt nur zur Hälfte. Die Deutsche Bundesbank und die Verbraucherzentralen klären über einen massiven Irrtum auf. Zwar sind Euro-Münzen und Scheine gesetzliche Zahlungsmittel, doch es herrscht im Einzelhandel keine grenzenlose Annahmepflicht für das Kassenpersonal.
Der Grund dafür versteckt sich tief im deutschen Gesetzbuch, genauer gesagt in § 3 des Münzgesetzes (MünzG). Dort ist schwarz auf weiß geregelt, dass niemand (außer der Deutschen Bundesbank selbst) dazu verpflichtet ist, bei einer einzigen Zahlung mehr als 50 Münzen anzunehmen!
Die Mathematik an der Kasse: Wann die Regel greift
Das Gesetz unterscheidet dabei nicht nach dem Wert der Münzen, sondern zählt rein die physische Stückzahl.
-
Das erlaubte Beispiel: Wenn Ihr Einkauf bei Netto oder Kaufland 40 Euro kostet, dürfen Sie diesen theoretisch problemlos mit 20 Zwei-Euro-Münzen bezahlen. Das sind nur 20 Münzen – der Kassierer muss sie annehmen.
-
Die rechtliche rote Karte: Wenn Sie den gleichen 40-Euro-Einkauf jedoch mit 40 Ein-Euro-Münzen oder gar mit einem gigantischen Berg aus 100 50-Cent-Stücken bezahlen wollen, greift die 50-Münzen-Regel. Der Kassierer ist rechtlich völlig im Recht, wenn er die Zahlung verweigert!
Der Grund für dieses Gesetz ist simpel: Es soll den Wirtschaftskreislauf schützen. Wenn Kassierer minutenlang Hunderte von Kupfer-Münzen zählen müssten, würde der Betrieb im Supermarkt zusammenbrechen und die Wartezeiten würden ins Unermessliche steigen.
Aus Kulanz oder ab zum Automaten
Was passiert, wenn Sie an der Kasse abgewiesen werden? Eine Strafe droht Ihnen natürlich nicht. Wenn Sie freundlich sind und nicht viel los ist, nehmen viele Kassierer das Kleingeld aus reiner Kulanz trotzdem an. Verpflichtet sind sie dazu aber nicht. Im Pech-Fall bittet man Sie, kurz zum nächsten Geldautomaten zu gehen, während Ihr Einkauf an der Kasse „reserviert“ wird.
Der Profi-Tipp für volle Spardosen: Blockieren Sie nicht die Kassen bei Aldi oder Edeka. Gehen Sie mit Ihrem Kleingeld lieber zu Ihrer Hausbank (Sparkasse oder Volksbank bieten oft Münzzählmaschinen an) oder nutzen Sie die sogenannten Coinstar-Automaten. Diese grünen Automaten stehen mittlerweile in den Eingangsbereichen vieler großer Rewe- und Kaufland-Filialen. Sie kippen einfach all Ihre Münzen unsortiert hinein und der Automat spuckt Ihnen einen Wertbon aus, den Sie ganz bequem und ohne peinliche Diskussionen an der Kasse einlösen können (Achtung: Der Betreiber behält hierbei meist eine Gebühr von knapp 10 Prozent ein).
Haben Sie auch schon einmal an der Supermarktkasse gestanden und wurden abgewiesen, weil Sie mit zu viel Kleingeld bezahlen wollten? Oder rollen Sie genervt mit den Augen, wenn die Person vor Ihnen in der Kassenschlange anfängt, 30 Cent in roten Kupfermünzen abzuzählen? Kannten Sie die offizielle „50-Münzen-Regel“ aus dem Gesetzbuch bereits? Teilen Sie diese spannende Verbraucher-Aufklärung bei WhatsApp oder in Facebook-Nachbarschaftsgruppen mit all Ihren Freunden, damit beim nächsten Einkauf keine peinlichen Momente an der Kasse entstehen!
