Die Kritik richtet sich nicht mehr gegen diejenigen, die Plastik verwenden, sondern gegen diejenigen, die es recyceln: Ein Großteil des Plastiks ist nicht recycelbar

Die Verschmutzung durch Plastik ist eine der größten ökologischen Herausforderungen. Die Verbreitung von Produkten aus diesem Material hat ein solches Ausmaß erreicht, dass mittlerweile Mikro- und Nanoplastik im menschlichen Körper nachgewiesen wurde. Angesichts dieser Situation wird seit Jahrzehnten eine Lösung propagiert: das Recycling.

Ein Bericht des Center for Climate Integrity zeichnet jedoch ein anderes Bild. Das Dokument mit dem Titel Der Betrug des Kunststoffrecyclings behauptet, dass ein Großteil der seit den 80er Jahren unternommenen Anstrengungen eine falsche Vorstellung von dessen Wirksamkeit hervorgerufen hat. Mit anderen Worten: es hat nichts gebracht.

Die Zahlen spiegeln das Ausmaß des Problems wider. Allein in Mexiko fallen jährlich rund 5,7 Millionen Tonnen Plastikmüll an, von denen mehr als die Hälfte nicht ordnungsgemäß entsorgt wird. Weltweit wird geschätzt, dass nur 9 % des produzierten Plastiks tatsächlich recycelt werden.

Der Bericht weist darauf hin, dass die Kunststoffindustrie diese Wahrnehmung seit den 80er Jahren aktiv gefördert habe. Laut Davis Allen vom Center for Climate Integrity habe das Recycling für die Industrie nie eine echte Priorität gehabt. Im Gegenteil, es ging lediglich darum, eine Vorstellung zu vermitteln: „dass die Menschen glaubten, es funktioniere“.

Der Bericht stützt sich zudem auf gesammelte Zeugenaussagen und Archivmaterial – darunter Unterlagen des American Chemistry Council –, wonach das Recycling eher als Imagestrategie denn als tragfähige technische Lösung präsentiert wurde.

Unter den vorgebrachten Argumenten sticht die Komplexität des Materials selbst hervor. Kunststoff, der aus Erdöl und Erdgas gewonnen wird, existiert in zahlreichen chemischen Varianten, die eine gemeinsame Verarbeitung erschweren. Infolgedessen steigen die Kosten und sinkt die Effizienz des groß angelegten Recyclings.

Zudem fiel die Förderung von Recyclingkampagnen mit regulatorischen Debatten in den USA in den 80er Jahren zusammen, als einige Städte begannen, Einschränkungen für die Verwendung von Kunststoffprodukten in Betracht zu ziehen. Angesichts dieser Initiativen diente die Förderung des Recyclings als Alternative, um strengere Vorschriften zu vermeiden.

Aktivisten wie Jan Dell haben darauf hingewiesen, dass viele der von der Industrie vorgeschlagenen aktuellen technologischen Lösungen Strategien aus früheren Jahrzehnten wiederholen, ohne das Problem an der Wurzel zu lösen. Gleichzeitig haben Vertreter der Industrie diese Kritik als überholt zurückgewiesen.

Zwar argumentieren sie, dass es Fortschritte bei den Produktions- und Recyclingprozessen gibt, doch deuten Prognosen darauf hin, dass sich die Kunststoffproduktion bis 2050 verdreifachen könnte. Dies führt zu einem erhöhten Druck auf die Abfallwirtschaftssysteme. Parallel dazu entflammt erneut die Debatte zwischen der Suche nach effektiveren Strategien, der Werberhetorik und der korrekten Mülltrennung in der Bevölkerung.