Was wäre, wenn man den überschüssigen Solarstrom von glühend heißen Sommertagen bis zu einem kalten Abend im Januar speichern könnte? Mit einer Wasserstoffbatterie ist dies möglich. Aber wie funktioniert diese Technologie? Lohnt sich die Investition? Und hat sie in unserem Land eine Zukunft? Bouwsite Livios hat den Forscher Bert De Schutter gefragt: „Alles wird von der Investition und der Lebensdauer abhängen.“Von Liesbeth Pairoux, in Zusammenarbeit mit LiviosQuelle: Livios.be13. April 2026, 11:10 Uhr Letzte Aktualisierung: 15. April 2026, 09:28 Uhr
Saisonale Speicherung
Wenn Sie Solarmodule haben, verfügen Sie in den sonnigen Monaten oft über einen Überschuss an Solarenergie. Wenn Sie über eine intelligente Steuerung, eine Ladestation und eventuell eine Heimbatterie verfügen, tun Sie wahrscheinlich bereits alles, um Ihren Strom so weit wie möglich selbst zu nutzen. Aber was ist mit dem Winter, wenn es keine Überschüsse gibt und der Strombedarf größer ist, vor allem, wenn Sie mit einer Wärmepumpe heizen? In diesem Fall kann die saisonale Speicherung eine Lösung bieten.
Wasserstoffbatterie als neuer Akteur

Das Prinzip der saisonalen Speicherung ist eigentlich ganz einfach. Anstatt deinen Überschuss an Solarenergie für ein paar Cent an deinen Energieversorger zu verkaufen (die Einspeisetarife von März 2026 liegen zwischen 2 und 7 Cent pro kWh, Anm. d. Red.), kannst du ihn für den Winter speichern. Wie? Mit einer Wasserstoffbatterie.
„Diese Art von Batterie funktioniert in zwei Richtungen“, erklärt De Schutter, Forscher am Kompetenzzentrum Energie von Thomas More.
„Wenn Sie einen Überschuss an Solarstrom haben, wandelt die Batterie den Strom durch Elektrolyse in Wasserstoff um. Bei Stromknappheit funktioniert das System umgekehrt: Die Brennstoffzelle erzeugt dann wiederum Strom aus dem zuvor gespeicherten Wasserstoff.“
Die Technologie ist nicht neu
Die Technologie zur Umwandlung von Wasser in Wasserstoff gibt es schon länger. De Schutter: „Bestimmte Hersteller von Gas-Brennwertkesseln haben bereits Geräte auf den Markt gebracht, die mit Brennstoffzellentechnologie arbeiten. Dabei wurde Gas in Wasserstoff umgewandelt, aber das Problem bei diesen Geräten war, dass die Effizienz schnell abnahm. Ein Gaskessel springt an, wenn Warmwasser benötigt wird, und schaltet sich danach wieder ab. Damit haben Brennstoffzellen große Schwierigkeiten.“
Wasserstoff lässt sich kostengünstiger speichern als Strom
Dennoch kommt jetzt Bewegung in die Brennstoffzellen-Geschichte. Das norwegische Unternehmen Photoncycle bringt in den Niederlanden eine Wasserstoffbatterie für die saisonale Energiespeicherung auf den Markt. „Es ist einfacher, aus Strom Wasserstoff herzustellen. Ein Gas lässt sich besser speichern als Strom, und die Speicherung selbst ist kostengünstiger. Aber es bleibt eine anspruchsvolle Technologie“, so De Schutter.
Was das norwegische Unternehmen anders macht, ist, dass es den Wasserstoff nicht unter hohem Druck speichert, sondern durch einen chemischen Prozess umwandelt. „Durch Elektrolyse wandeln sie Wasserstoff in Ammoniak um. Dieses Gas lässt sich unter niedrigem Druck noch besser speichern als Wasserstoff. Aber es ist derzeit noch schwer zu beurteilen, ob dies auch effizienter ist.“
Auch für belgische Haushalte?
Angenommen, diese Wasserstoffbatterie kommt von unseren nördlichen Nachbarn zu uns – ist das dann eine gute Option? De Schutter: „Alles wird von der Investition und der Lebensdauer abhängen. Brennstoffzellen sind nicht billig. Die Speicherung hingegen kann pro kWh relativ günstig sein.“ Laut De Schutter kann sie eine gute Ergänzung zu einer klassischen Lithium-Ionen-Heimbatterie sein.
„Eine Heim-Batterie und eine Wasserstoffbatterie können sich gegenseitig unterstützen. Ist Ihre Heim-Batterie voll, kann die Energie in die Wasserstoffbatterie geleitet werden. Ist Ihre Heim-Batterie leer, kann die Wasserstoffbatterie diese wieder aufladen. Das kann vor allem im Winter sehr interessant sein.“
Vollständig netzunabhängig werden

Ob saisonale Speicherung mittels Wasserstoff in Belgien zu einem echten Gamechanger wird, bezweifelt De Schutter. „Meiner Meinung nach ist unser Land zu weit entwickelt, um saisonale Speicherung auf diese Weise zu betreiben. Unser Stromnetz ist gut ausgebaut, und sowohl Elia als auch die Netzbetreiber investieren weiterhin in die Stärkung des Netzes. Mit einer solchen Batterie kann man komplett netzunabhängig werden, aber das ist wirtschaftlich oft weniger interessant, als am Netz zu bleiben.“
Die Zukunft liegt in der thermischen Speicherung
Laut De Schutter liegt die Zukunft eher in der kollektiven Heizung und Kühlung über geothermische Wärmenetze und BEO-Felder. „Und in der thermischen Speicherung. Auch die Sandbatterie ist eine Entwicklung, die man im Auge behalten sollte. Sand lässt sich leicht auf bis zu 400 °C erhitzen, während Wasser bei 100 °C kocht und verdampft. Pro Kilogramm Sand lässt sich mehr Wärme speichern als mit Wasser. In Genk wird derzeit mit einer Sandbatterie (2 x 2,5 x 10 Meter) experimentiert, die an eine PV-Anlage mit 30 Kilowattpeak gekoppelt ist. Die Batterie kann den Energieüberschuss etwa einen Monat lang speichern. Das ist vielversprechend für Gemeinschaftsgebäude und Wohnanlagen.“
Kerzenwachs als passive Klimaanlage
Ein weiterer Ansatz sind Phase Change Materials (PCMs), wie beispielsweise Paraffinkügelchen (Kerzenwachs). „Diese können durch einen Phasenwechsel (von fest zu flüssig und umgekehrt) enorme Mengen an Energie speichern und abgeben. Das große Problem ist, dass diese Materialien oft isolierend wirken, was die schnelle Abgabe der Wärme erschwert.“ Dennoch ist es eine interessante passive Methode, um die Innentemperatur stabil zu halten, Spitzen abzuflachen und so Energie zu sparen.
