Für deutsche Autofahrer ist die Einteilung der Fahrzeugklassen meistens sehr nüchtern und pragmatisch: Kombi, Limousine oder SUV. Doch wenn es um die Leidenschaft des Automobilbaus geht, sprechen die Italiener eine ganz andere, viel poetischere Sprache. Wer sich im Urlaub am Gardasee oder in den Showrooms von Luxus-Autohändlern bewegt, stolpert unweigerlich über einen klangvollen Begriff, der die Herzen von Sportwagen-Fans höherschlagen lässt: die „Berlinetta“. Viele Deutsche halten das Wort fälschlicherweise für ein spezielles Automodell von Ferrari oder glauben, es hätte etwas mit der deutschen Hauptstadt Berlin zu tun. Doch das ist ein großer Irrtum! Automobil-Historiker und Design-Experten lüften nun das Geheimnis hinter diesem legendären italienischen Begriff – und erklären, warum Sie bei Ihrem nächsten Auto-Quartett mit diesem Fachwissen garantiert punkten werden.
Die falsche Spur nach Deutschland: Keine Hauptstadt!
Wenn Namen wie der legendäre Ferrari 250 GT Berlinetta oder der moderne Ferrari F12berlinetta auftauchen, klingt das für deutsche Ohren erst einmal seltsam. Hat Enzo Ferrari etwa heimlich Autos für die deutsche Hauptstadt gebaut?
Natürlich nicht. Der Begriff hat absolut nichts mit der Stadt Berlin zu tun.
Die Etymologie (Wortherkunft) führt uns tief in die Geschichte des Kutschenbaus. Früher bezeichnete man eine kleine, leichte und besonders schnelle Kutsche auf Französisch als „Berline“ (da dieser spezielle Kutschentyp im 17. Jahrhundert in Berlin erfunden wurde). Die Italiener übernahmen das Wort für ihre Automobilindustrie, machten es durch die Endung „-etta“ aber kleiner und eleganter. Wörtlich übersetzt bedeutet Berlinetta also schlichtweg „kleine Limousine“ oder „kleiner Wagen“.
Doch in der Welt von Ferrari, Maserati oder Alfa Romeo steht der Begriff für etwas viel Spektakuläreres.
Das Design-Geheimnis: Was eine echte Berlinetta ausmacht
Heute ist die Definition in der italienischen Autowelt glasklar und grenzt sich streng von anderen Karosserieformen ab. Wenn ein italienischer Designer von einer Berlinetta spricht, meint er ein Sportcoupé, das drei unverrückbare Regeln erfüllen muss:
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Zwei Türen, geschlossenes Dach: Eine Berlinetta ist niemals ein Cabrio (das hieße „Spider“ oder „Barchetta“). Es ist ein geschlossenes Coupé, das extrem stromlinienförmig und flach auf der Straße liegt.
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Der strenge 2-Sitzer: In eine echte Berlinetta passen maximal zwei Personen (manchmal gibt es winzige „Notsitze“ hinten, die sogenannte 2+2 Konfiguration). Es ist ein Auto, das rein auf den Fahrer und das Fahrerlebnis zugeschnitten ist – kein Familienkombi von VW oder Audi.
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Die abfallende Dachlinie: Das optische Markenzeichen! Das Dach fällt bei einer Berlinetta fließend und elegant bis zum Heck ab (Fastback-Design). Dieses Design macht den Wagen nicht nur atemberaubend schön, sondern aerodynamisch perfekt für extrem hohe Geschwindigkeiten.
Warum Ferrari den Begriff monopolisiert hat
Obwohl der Begriff eigentlich eine allgemeine Karosserieform beschreibt (vergleichbar mit dem deutschen Begriff „Coupé“), hat vor allem Ferrari das Wort in den letzten 70 Jahren zu seinem absoluten Markenzeichen gemacht.
Ikonen wie der Ferrari 275 GTB (das „B“ steht für Berlinetta) oder der Ferrari 355 Berlinetta hängen weltweit als Poster in Jugendzimmern. Wenn ein neues Ferrari-Modell mit Frontmotor und Hinterradantrieb vorgestellt wird, lauschen Autojournalisten weltweit gebannt, ob es wieder den heiligen Namenszusatz „Berlinetta“ tragen darf.
Während deutsche Hersteller wie Porsche (mit dem 911er) oder BMW eher auf technische Bezeichnungen (Carrera, M-GmbH) setzen, packen die Italiener die pure Emotion der Geschwindigkeit in dieses eine Wort.
Hätten Sie gewusst, dass die italienische „Berlinetta“ ihre Wurzeln im historischen Berliner Kutschenbau hat? Sind Sie ein Fan von italienischem Auto-Design oder schwören Sie doch lieber auf deutsche Wertarbeit von Porsche oder Mercedes? Testen Sie dieses Wochenende das Autowissen Ihrer Freunde! Teilen Sie dieses Angeber-Wissen aus der Sportwagen-Welt bei WhatsApp oder in Facebook-Auto-Gruppen mit allen, die Benzin im Blut haben!
