Der Start einer Rakete ins All ist für Milliarden Menschen ein Spektakel, und die Männer und Frauen an Bord werden als Helden der Menschheit gefeiert. Jahrelanges, brutales Training unter Wasser, das Erlernen von Russisch, das Überleben in der lebensfeindlichen Umgebung der Internationalen Raumstation (ISS) und das ständige Risiko des eigenen Lebens – all das gehört zum Alltag eines europäischen Astronauten.
Wenn man an diese extreme Elite denkt, die von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) ausgewählt wird, geht man instinktiv davon aus, dass sich auf ihren Bankkonten Millionenbeträge sammeln. Doch Finanzexperten und ehemalige Raumfahrer lüften nun das bestgehütete Geheimnis um den „Traumjob im All“. Ein Blick auf den offiziellen Tarifvertrag der europäischen Helden holt viele Träumer auf den harten Boden der Tatsachen zurück.
Der Mythos vom reichen Weltraum-Helden
Wenn deutsche Astronauten wie Alexander Gerst (Astro-Alex) oder Matthias Maurer von ihren Missionen auf der ISS zurückkehren, touren sie durch Talkshows und Universitäten. Sie sind die absoluten Popstars der Wissenschaft.
Doch während CEOs von DAX-Konzernen oder Profifußballer leicht zweistellige Millionenbeträge pro Jahr verdienen, ist die Bezahlung eines ESA-Astronauten erstaunlich… irdisch.
Die Europäische Weltraumorganisation (ESA), mit Sitz in Paris und dem Astronautenzentrum (EAC) in Köln, ist eine staatliche beziehungsweise zwischenstaatliche Einrichtung. Ihre Mitarbeiter werden nicht nach Hollywood-Gagen, sondern nach strengen, bürokratischen Tarifklassen für internationale Beamte bezahlt.
„Astronaut wird man nicht, um reich zu werden. Man macht es aus absoluter Leidenschaft für die Wissenschaft und die Menschheit“, betonen Insider der Raumfahrtbehörde.
Die nackten Zahlen: So viel verdient ein ESA-Astronaut wirklich
Die Gehaltsstufen der ESA sind kein Staatsgeheimnis, sondern öffentlich einsehbar, wenn man weiß, wo man suchen muss. Das Gehalt eines Astronauten hängt von zwei Faktoren ab: Erfahrung und Familienstand.
1. Das Einstiegsgehalt (Das „Azubi“-Stadium)
Wenn ein frisch ausgewählter Kandidat (nach einem Auswahlverfahren mit zehntausenden Bewerbern) sein Basis-Training in Köln beginnt, steigt er in der Regel in der Gehaltsklasse A2 ein.
Dies entspricht einem monatlichen Nettogehalt (internationale Beamte zahlen keine normale Einkommensteuer, sondern eine interne Abgabe) von etwa 5.500 bis 6.000 Euro.
Das ist zweifellos ein sehr gutes Gehalt, entspricht aber in Deutschland (z.B. in München oder Frankfurt) „nur“ dem Einkommen eines erfolgreichen IT-Spezialisten, eines Abteilungsleiters oder eines erfahrenen Ingenieurs.
2. Nach dem ersten Flug ins All
Sobald ein Astronaut sein Basis-Training abgeschlossen hat und für eine Raumfahrtmission nominiert wird (was oft 5 bis 10 Jahre dauern kann), steigt er in die Gehaltsklasse A3 oder A4 auf.
Ein erfahrener Astronaut, der bereits im All war, verdient netto etwa 7.500 bis knapp 9.000 Euro im Monat.
Gibt es einen „Gefahrenzuschlag“ im Weltraum?
Dies ist die häufigste Frage: Bekommen Astronauten einen massiven Bonus, wenn sie sich auf eine Rakete binden und mit 28.000 km/h um die Erde kreisen?
Die überraschende Antwort: Nein, nicht wirklich.
Die ESA zahlt keinen speziellen „Gefahrenbonus“ für den Flug ins All. Es gibt jedoch bestimmte Zulagen (Allowances), die das Grundgehalt aufbessern, genau wie bei anderen internationalen Beamten:
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Auslandszulage (Expatriate Allowance): Etwa 16 % des Grundgehalts, wenn der Astronaut sein Heimatland verlassen musste, um z.B. in Köln zu leben.
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Familien- und Kinderzulagen: Zusätzliche Beträge für verheiratete Astronauten und solche mit Kindern.
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Spesen (Per Diem): Wenn Astronauten für das Training nach Houston (NASA) oder zum Sternenstädtchen (Roskosmos) reisen, erhalten sie ganz normale Dienstreisepauschalen für Hotel und Verpflegung.
Tatsächlich geben einige US-Astronauten (NASA-Mitarbeiter werden nach dem zivilen GS-Tarifsystem der US-Regierung bezahlt) sogar humorvoll an, dass sie während ihres sechsmonatigen Aufenthalts auf der ISS Geld sparen, weil sie dort oben keine Miete zahlen, ihr Essen (aus der Tube) kostenlos ist und sie schlichtweg keine Möglichkeit haben, online bei Amazon zu shoppen.
Der wahre Reichtum kommt danach
Auch wenn das Gehalt während der aktiven Karriere im Vergleich zum Risiko bescheiden wirkt, hungern Ex-Astronauten nicht.
Die wahre finanzielle Belohnung folgt oft erst nach der aktiven Raumfahrtkarriere. Ehemalige Astronauten sind extrem gefragte Keynote-Speaker (Vortragsredner), Berater in der Luft- und Raumfahrtindustrie (wie Airbus oder SpaceX) oder Bestseller-Autoren. Für einen einzigen inspirierenden Vortrag über Teamwork und Stressresistenz auf der ISS rufen Top-Astronauten auf dem freien Markt schnell Honorare zwischen 10.000 und 30.000 Euro auf.
Hätten Sie gedacht, dass die Helden des Weltraums „nur“ das Gehalt eines guten Ingenieurs verdienen, während sie ihr Leben für die Wissenschaft riskieren? Würden Sie für knapp 8.000 Euro im Monat in eine Rakete steigen, oder ist das Gehalt für das Risiko viel zu niedrig? Teilen Sie diese verblüffenden und geerdeten Zahlen über den extremsten Job der Welt in WhatsApp oder Facebook mit Ihren Freunden, die immer noch vom Fliegen zu den Sternen träumen!
