Was bedeutet es laut mit sich selbst zu sprechen – aus psychologischer Sicht?

Laut zu sprechen, ohne dass eine andere Person anwesend ist, kommt in der Öffentlichkeit häufiger vor, als wir gemeinhin annehmen. Das kann passieren, wenn man seine Gedanken ordnet, ein Problem löst oder sogar in einem Moment der Anspannung.

In vielen Fällen geschieht dies ganz automatisch: ein einzelner Satz, eine Anweisung an sich selbst oder ein Kommentar, der nicht zu einem Dialog wird. Es wird nicht immer als etwas Bewusstes wahrgenommen.

Diese Art von Verhalten ruft oft Zweifel oder Unbehagen hervor, vor allem wenn es mit negativen Stereotypen oder der Vorstellung von Kontrollverlust in Verbindung gebracht wird.

Die Psychologie betrachtet dieses Verhalten jedoch aus einer anderen Perspektive. Was bedeutet es also, laut vor sich hin zu sprechen?

Was bedeutet es, laut mit sich selbst zu sprechen?

Weit davon entfernt, ein negatives Zeichen zu sein, kann das Selbstgespräch wichtige Funktionen bei der Organisation der Gedanken erfüllen. Laut der kognitiven Psychologie steht diese Gewohnheit im Zusammenhang mit der sogenannten „inneren Sprache“, die in bestimmten Situationen hörbar wird.

Ein Artikel auf der Website La mente es maravillosa greift die Worte von Lev Vygotsky (1896–1934) auf, einem der wichtigsten Vertreter der Entwicklungspsychologie, der in seinem Buch Denken und Sprache darlegte, dass Sprache nicht nur der Kommunikation mit anderen dient, sondern auch der Strukturierung von Gedanken. In diesem Prozess ist es üblich, dass manche Menschen diesen inneren Dialog nach außen tragen, wenn sie sich organisieren oder Probleme lösen müssen.

Diese Idee wurde von neueren Forschungen aufgegriffen. Eine Studie der University of Wisconsin–Madison, veröffentlicht im Quarterly Journal of Experimental Psychology, zeigte, dass das laute Aussprechen des Namens eines Gegenstands dabei hilft, diesen schneller zu finden. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass das Verbalisieren Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse aktiviert, was die Konzentration verbessert und die Bewältigung von Aufgaben erleichtert.

Im Alltag kann das laute Selbstgespräch verschiedene praktische Funktionen erfüllen:

  • Gedanken ordnen. Es ermöglicht, Gedanken zu strukturieren, wenn man viel im Kopf hat.
  • Die Konzentration verbessern. Laut auszusprechen, was man tut, hilft dabei, den Fokus zu behalten.
  • Emotionen regulieren. Es kann dazu dienen, sich in Stress- oder Frustrationssituationen zu beruhigen.
  • Entscheidungen treffen. Es erleichtert die Abwägung von Optionen und klärt innere Zweifel.

Zum Beispiel nutzt eine Person, die sich sagt „zuerst mache ich dies und dann das“, die Sprache als ein Werkzeug, um ihr Verhalten zu steuern.

Dieses Verhalten tritt meist häufiger in anspruchsvollen Momenten auf: beim Lösen neuer Aufgaben, beim Versuch, sich an etwas zu erinnern, oder bei Müdigkeit.

Laut mit sich selbst zu sprechen dient unter anderem dazu, die Konzentration zu verbessern und Gedanken zu ordnen.

Es ist auch in der Kindheit üblich, wenn Kinder laut sprechen, um ihre Handlungen zu organisieren, und in vielen Fällen bleibt dieser Mechanismus bis ins Erwachsenenalter bestehen.

In den meisten Situationen besteht kein Grund zur Sorge. Selbstgespräche gelten als normale Gewohnheit, wenn sie gelegentlich und mit einem klaren Zweck auftreten.

Dennoch raten Fachleute dazu, aufmerksam zu sein, wenn sie zusammen mit anderen Anzeichen auftreten, wie zum Beispiel:

  • Gefühl des Kontrollverlusts
  • Anhaltende Dialoge mit „äußeren Stimmen“
  • Beeinträchtigung des Alltags.

In solchen Fällen kann es hilfreich sein, einen Fachmann zu konsultieren.